Wimpelwanderung 2015

Der Wimpel wandert nach Westfalen

Es ist soweit, der Harzklub trägt den Wandertagswimpel, das „olympische Feuer“ der Wanderbewegung, nach Paderborn zum 115. Deutschen Wandertag. Am 7. Juni ist Start in Bad Harzburg, der Wanderhauptstadt 2014, am 18. Juni werden die wandernden Botschafter des Harzes in Paderborn bei den Freunden des Eggegebirgsvereins mit der Übergabe des Wimpels den Staffelstab der Deutschen Wandertage weitergeben.

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Die Etappen

Rekordverdächtig wird die große Wanderung nicht. Von Belzig nach Oberstdorf war der Wimpel mehr als 1000 Kilometer unterwegs, von Oberstdorf nach Bad Harzburg immerhin mehr als 800 Kilometer. Da mutet die Wimpelwanderung zum Deutschen Wandertag in Westfalen fast wie ein „Spaziergang“ an. Rund 250 Kilometer legen die Harzer zurück:

Auf die grünen Etappen klicken, um mehr über sie zu erfahren!

Von Bad Harzburg nach Torfhaus

Seit Tagen ist das Wanderfieber gewachsen, die letzten Vorbereitungen wurden unter Hochdruck getroffen. Die Niedersächsischen Landesforsten und das Autohaus Scholl in Bad Harzburg haben der Wimpelwandergruppe des Harzklubs die Begleitfahrzeuge gestellt, insbesondere der "Krodo-Caddy" mit dem Maskottchen des 114. Deutschen Wandertages in Bad Harzburg ist ein echter Hingucker. Am Sonntag, 7. Juni, um 10 Uhr werden die wandernden Botschafter des Harzes vor der Remise am Bad Harzburger Rathaus musikalisch von den "Harzer Rollern" des Harzklub-Zweigvereins Harlingerode auf die Reise geschickt.

Tatsächlich wird die Gruppe gleich zwei Mal verabschiedet, denn am Montag, 8. Juni, steht noch einmal ein "großer Bahnhof" am höchsten Punkt der Wanderung auf Torfhaus mit Harzklub-Präsident Dr. Oliver Junk und Vertretern mehrerer Harzstädte an. Für den "Doppelstart" sprechen dabei gute Gründe, denn erst auf Torfhaus ist die Stammmannschaft der Wimpelwanderer komplett. Am Sonntag ist beispielsweise Bernfried Saatze als Hauptheimatgruppenwart in Bad Sachsa beim 34. Harzer Heimattag gefragt.

Es ging bergauf an diesem ersten Tag der Wimpelwanderung. Wobei sich die Gruppe darauf freuen konnte, mit dem Etappenziel Torfhaus schon den höchsten Punkt der Reise erreicht zu haben. Und auf die Strecke von Bad Harzburg hinauf auf Harzer Höhen konnten die Wimpelwanderer den Schwung der Abschiedszeremonie in der Kurstadt mitnehmen.

Dafür war ganz wesentlich die Folkloregruppe „Harzer Roller“ des Harzklub-Zweigvereins Harlingerode verantwortlich, die die kleine Gruppe an der Remise am Rathaus musikalisch verabschiedete. Nachdem Andreas Simon Dieter Runge den Wanderwimpel übergeben und Klaus Wiens auf dem Birkenblatt „Muss i denn“ angestimmt hatte, entließ Propst i.R. Konrad Beyer die Wanderer um Karl Leyrer und Wimpelträger Dieter Runge versehen mit dem Reisesegen auf die zwölf Etappen nach Paderborn.

In Bad Harzburg kommt derzeit niemand am Baumwipfelpfad vorbei. Auch eine Wimpelwandergruppe nicht. Der knappe Kilometer durch die Baumkronen wurde kurzerhand mit in die Reiseroute aufgenommen. Und da sich am Kassenhäuschen am Pavillon im Kurpark bereits wieder lange Schlangen bildeten, gab es viele neugierige Fragen nach der Gruppe in ihrem einheitlichen Outfit und mit dem Wimpel.

Und noch etwas konnten die Wimpelwanderer bei dieser Gelegenheit schon einmal üben: Empfangen zu werden. Dies steht ihnen auf fast jeder Etappe bevor, meist sind es Bürgermeister und/oder Landräte, die die Gruppe mit dem „olympischen Feuer“ der deutschen Wanderbewegung in ihren Städten und Landkreisen willkommen heißen. Den Auftakt machten Eva-Christin Ronkainen und Holger Kolb von der HarzVenture GmbH, die den Baumwipfelpfad betreibt. Gemeinsam mit stellvertretender Landrätin Claudia Schmalz gaben sie den Wimpelwanderern noch etwas Wegzehrung mit auf die Tour.

Der erste Abschnitt führte dann weiter hinauf zur Marienteichbaude, wo deren Chef Harald Leiste die Gruppe eingeladen hatte (und sie am Abend auch noch mit Grillgut aus seiner Landschlachterei versorgte). Und dann ging es weiter, immer parallel zur B4 hinauf nach Torfhaus, wo in der Harzklub-Hütte der Vorab-Tross mit Erika Runge und Gabi Leyrer schon wartete. Unterwegs profitierte die Gruppe dabei mehrfach davon, dass der Bad Harzburger Harzklub-Naturschutzwart und Gärtnermeister Otto Pake über alles zu erzählen wusste, was da rechts und links am Wegesrand wächst.

Auf Torfhaus wurde die Wimpelwandergruppe dann auch komplett. So hatte Bernfried Saatze als Hauptheimatgruppenwart an diesem ersten Tag der Wanderung eine ganz besondere Verpflichtung: Er brachte einen schönen 34. Harzer Heimattag in Bad Sachsa über die Bühne und stieß dann zur Wimpelwandergruppe dazu. Er kam allerdings nicht allein aus dem Südharz, auch Harzklub-Geschäftsführerin Annett Drache und Jodlermeisterin Marina Hein ließen es sich nicht nehmen, bei den Wimpelwanderern vorbeizuschauen.

So klang ein gelungener erster Etappentag aus, am Montag früh hat sich Harzklub-Präsident Dr. Oliver Junk angesagt, der sozusagen direkt aus dem Urlaub nach Torfhaus eilt, um ein paar Kilometer mit der Harzklub-Delegation zu gehen. Ein Wiedersehen gibt es dann in Paderborn beim 115. Deutschen Wandertag.

Von Torfhaus nach Buntenbock

Der erste Tag in voller "Mannschaftsstärke" und zum Frühstück gleich viel prominenten und auch spendablen Besuch. Noch während die Wimpelwandergruppe in der Harzklub-Hütte auf Torfhaus am Frühstückstisch saß, stattete ganz früh Jörg Steinhäuser, Chef des Torfhaus HarzResorts den Wanderern einen Besuch ab. Und er kam nicht mit leeren Händen – ¬ wie kurze Zeit später auch Richard Schulze, stellvertretender Bürgermeister der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld. Als erfahrener Oberharzer Wandersmann wusste der nur zu genau, was auf einer solch langen Strecke gefragt ist: Zwei ordentliche Harzer Knüppel und ein zünftiges Tschärper, um die leckeren Mettwürste ordentlich "über den Daumen" verspeisen zu können.

Die zweite Etappe trat die Harzklub-Mannschaft dann aber nicht nur komplett, sondern mit einem besonderen Mitwanderer an: Dr. Oliver Junk, Oberbürgermeister der Stadt Goslar und vor allem frischgewählter Harzklub-Präsident, war quasi direkt aus dem Urlaub zu "seiner" Wimpelwandergruppe geeilt. Und er ließ es sich auch nicht nehmen, das Team ein gutes Stück des Weges auf dem Harzer Hexenstieg in Richtung Buntenbock zu begleiten. An seiner Seite auch Andreas Simon von der Stadt Bad Harzburg, bei dem im vergangenen Jahr die Organisationsfäden des 114. Deutschen Wandertages zusammengelaufen waren, und der auch schon die erste Etappe mitmarschiert war.

Bevor das zweite Teilstück des Weges nach Paderborn in Angriff genommen wurde, galt der besondere Dank der Wimpelwanderer zunächst den Gastgebern in der Harzklub-Hütte Torfhaus. Und alle gemeinsam verzichteten auf einen Frühstart und machten stattdessen lieber im großen Kreis unter Anleitung von Gabi Leyrer ein wenig Frühsport mit Dehnübungen. Das Wort zu Wanderung, auch dies wird ein festes Ritual sein, lieferte Erika Runge.

Auf dem Weg, der vor der Wimpelwandergruppe lag, zeigt sich der Harz von einer seiner schönsten und vor allen Dingen von seiner kulturhistorisch bedeutsamsten Seite: Auf dem Harzer Hexen-Stieg, den der Harzklub entscheidend mit vorangetrieben hat, geht der Wanderer auch an großen Zeugnissen des Unesco-Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft entlang. An großen Wegpunkten wie der Huttaler Widerwaage greifen dann selbst erfahrene Harzer Wanderführer immer wieder gern einmal zur Fotokamera – zumal das Tagebuch der Wimpelwanderung reich bebildert werden soll.

Bei der Mittagsrast hatte sich das Team am Grabenhaus Rose oberhalb von Altenau gestärkt, um dann den zweiten Teil der zweiten Etappe ohne Probleme anzugehen. Wohlbehalten erreichte die Gruppe am späten Nachmittag das Ziel, die Hütte des Harzklub-Zweigvereins Buntenbock, der die wandernden Botschafter des Vereins wieder herzlich willkommen hieß.

Von Buntenbock nach Osterode

Das Wetter und vor allem ganz viele Menschen am Wegesrand meinten es bislang ausgesprochen gut mit den Wimpelwanderern des Harzklubs, die den Wimpel des Deutschen Wandertages zur 115. Auflage des größten Wanderfestes der Welt nach Paderborn tragen. Auch die dritte Etappe von Buntenbock nach Osterode hätte für die Gruppe kaum besser laufen können.

Die Stimmung war gleich am Morgen schon vor dem Start im Gästehaus Tannenhof in Buntenbock bei einem stärkenden Frühstück wieder sehr gut. Und erneut hatten sich auch aus Reihen der Harzklub-Zweigvereine am Wegesrand Mitwanderer gefunden, die immer wieder auch interessante Details entlang der Strecke vermitteln könnten. Sei es um die Bergwerke bei Buntenbock oder den Schach Weintraube in Lerbach.

Im schönen Schafmeistertal in Lerbach hatte dann Harzklub-Geschäftsführerin Annett Drache es sich nicht nehmen lassen, die Wandergruppe zu einem gemeinsamen Grillen einzuladen. So war die Rast zur Mittagszeit gesichert und danach konnten auf dem Weg nach Osterode gleich die frischen Kalorien wieder abgelaufen werden.

Ein Vorhaben, dass auch ganz prächtig gelang, denn die Gruppe schlägt ein zügiges Tempo an, läuft sich immer besser ein. Was auch von Vorteil für Bürgermeister Klaus Becker war, der die Harzklub-Wimpelwanderer in Osterode willkommen hieß. Auch Becker würdigte damit die Rolle der Harzklub-Wanderer als Botschafter für den gesamten Harz, die beste Werbung für die Wanderregion machen.

Mit Blick auf die kommenden Tagen könnte der Weg mit dem Wimpel etwas härter werden, auch wenn die Höhen und Täler des Harzes dann hinter der Gruppe liegen. Die Wetterprognosen sagen die Rückkehr des Hochsommers mit Temperaturen um die 30 Grad voraus – nicht gerade ideal, um täglich mehr als 20 Kilometer auf dem Weg nach Westfalen zurückzulegen. Da müssen die Rastzeiten im Schatten eben ein wenig länger werden...

Von Osterode nach Northeim

Es sind weiter die vielen Begegnungen am Wegesrand, die die Wimpelwanderung des Harzklubs zum 115. Deutschen Wandertag nach Paderborn prägen und dem Team nachhaltige Eindrücke bescheren. Jetzt allerdings kommen zumindest für einige Wanderer sicher auch neue Landschaftseindrücke hinzu, denn den Harz, den alle wie ihre Westentasche kennen, haben sie hinter sich gelassen. Von Osterode führte der Weg bis nach Northeim.

Sozusagen eingerahmt war die Etappe von zwei lockeren Empfängen, zu denen die Bürgermeister der Etappenorte kamen. In Osterode war dies zum Abschluss der dritten Etappe Klaus Becker, in Northeim ließ es sich dessen Amtskollege Hans-Erich Tannhäuser nicht nehmen, die Harzer Delegation in seiner Stadt willkommen zu heißen. Auch er trug sich wie Becker in das Gästebuch der Wimpelwanderung ein.

Zuvor war die Wimpelwandergruppe nach dem Abschied in Petershütte bei Osterode zunächst bis zur Kapelle von Oldershausen gewandert. Von dort aus ging es weiter bis zum Alten Forsthaus, wo ein Mittagessen anstand. Über Langenholtensen ging es dann schließlich nach Northeim. Unterwegs wanderte die Mannschaft dabei ein gutes Stück auch auf dem Karstwanderweg vorbei an den beeindruckenden Gipswänden bei Osterode.

Auf dem Weg durch die wellige Vorharzlandschaft schloss sich den Harzer Wimpelträgern ein Gastwanderer an, der sich später nicht einfach verabschiedete, sondern eine zünftige Mettwurst als Wegzehrung spendete. Interessante Gespräche gab es zudem mit einem Imker, der am Wegesrand seiner Profession nachging.

Am Abend in Northeim waren alle dann rechtschaffen müde, denn immerhin liegen jetzt bereits 76 der rund 240 Kilometer nach Paderborn hinter den Wanderern. Bislang spielte das Wetter dabei prächtig mit, an den kommenden Tagen allerdings müssen die Harzer mit Hitze rechnen.

Von Northeim nach Hardegsen

Im Solling angekommen ist die Wimpelwandergruppe des Harzklubs. Auch die Strecke von Northeim nach Hardegsen meisterten die Männer erwartet souverän. Die nötige Stärkung hatte sich das gesamte Team inklusive der beiden „Marketenderinnen“ Erika Runde und Gabi Leyrer, bei einem opulenten Frühstück im Hotel „Deutsches Haus“ in Northeim geholt. Für die große Gastfreundschaft wurde das Haus mit einer Urkunde der Wimpelwandergruppe ausgezeichnet – unter Wanderern kommt dies einem Ehrenschild gleich.

Der Weg führte den Wandertags-Wimpel dann vorrangig durch die weiten Felder auch des Leinetals, vorbei an Mohnwiesen und immer mit ein wenig Pflanzen- und Kräuterkunde, wie Aufnahmen des Echten Beinwell zeigen. Ein langes Stück begleitete der Fluss die Gruppe, an seinem Ufer wurde auch die Mittagsrast eingeschoben. Bei Nörten-Hardenberg hat die Harzklub-Mannschaft dann zunächst die Leine über- und wenig später die Bundesautobahn 7 unterschritten. Brücke und Tunnel sei Dank.

Kurz vor Hardegsen wurde die Wimpelwandergruppe dann von den Wanderfreunden des Solling-Vereins in Empfang genommen. Mit von der Partie war auch Hardegsens Bürgermeister Michael Kaiser, der dem Wandertags-Wimpel entgegen gegangen war.

Ganz so einfach jedoch kommt der Wandersmann dann doch nicht nach Hardegsen hinein. Vor der Stadt liegt der kleine Ort Bartshausen. Und der hat einen Kirmesrat, der für mancherlei Schabernack und viele frohe Dorffeste zuständig ist. Und für die Erhebung von Wegezoll, den die Harzklub-Wanderer auch entrichten mussten. Allerdings wurde ihnen dieses reichlich und herzlich vergolten, sie wurden zu üppigem Speis und Trank eingeladen.

Mit dem offiziellen Empfang in Hardegsen durch Bürgermeister Michael Kaiser ging vor dem sehenswerten Hochzeitshaus der Stadt der fünfte Tag der Wimpelwanderung zu Ende.

Von Hardegsen nach Uslar

Von Hardegsen nach Eschershausen bei Uslar führte die 6. Etappe die Wimpelwanderer des Harzklubs auf ihrem Weg aus der Wanderhauptstadt 2014, Bad Harzburg, in die Wanderhauptstadt 2015, Paderborn. Die Gruppe hat ihren Rhythmus gefunden, spult die rund 20 Kilometer langen Tagestouren ohne Probleme ab.

Dabei sind die Etappen gezielt nicht länger ausgelegt, denn die Wimpelwanderer wollen sich auch ganz bewusst Zeit für den besonderen Weg nehmen, den sie zurücklegen, um den Wandertagswimpel pünktlich am 18. Juni in Paderborn zu übergeben. Und sie nehmen sich Zeit, die schöne Landschaft rundherum bewusst zu erleben. WunderbareBlicke über Volpriehausen oder über den Bergsee bei Delligsen stehen hierfür.

Die Route führte heute von Hardegsen zunächst bis zur Buschenhütte, wo eine erste kurze Pause anstand. Zum Mittagessen war die Gruppe dann in Delliehausen im Dorfgemeinschaftshaus eingeladen, wo sowohl Uslars Bürgermeister Torsten Bauer wie auch Delliehausens Ortsbürgermeister Wolfgang Boeder die Wanderer aus dem Harz willkommen hießen. Harzklub-Hauptheimatgruppenwart Bernfried Saatze stattete auf seine Art den Dank der Gruppe ab und unterhielt die staunenden Gastgeber im Solling mit Harzer Peitschenknallen.

Von Delliehausen ging es dann weiter bis Henningshütte und zur Malliehäger Kirche und schließlich weiter bis Eschershausen, wo ein stärkendes Abendbort wartete. Der Etappentag war damit allerdings noch nicht beendet, am Abend folgte noch ein weiteres Treffen mit den Bürgermeistern und Vertretern des Solling-Vereins.

Von Uslar nach Fohlenplacken

Einen Überblick über die Wegstrecke, die sich am Vortrag zurückgelegt hatten, vor allem aber über die Strecke, die bei der siebten Etappe auf sie wartete, gewannen die Mitglieder der Wimpelwandergruppe bei einem kurzen Abstecher. Es ging hinauf auf den Sollingturm bei Uslar, ein Aufstieg, der sich dank eines fantastischen Rundblicks wahrlich lohnte.

Der Solling und die Wanderfreunde des Sollingvereins hatten für die Harzklub-Gruppe aber noch weit mehr zu bieten. Zunächst einmal auch von den Wanderwegen aus wunderschöne Blicke in die sanft geschwungene Hügellandschaft beispielsweise bei Eschershausen. Und in einem Bachlauf drehte sich munter ein kleines Wasserrad, was den Vergleich mit den Harzer Kehrrädern natürlich bei weitem nicht halten konnte, aber doch dafür sorgte, dass die Kameras gezückt wurden.

Eine Überraschung wartete dann an der Ahle-Quelle bei Neuhaus auf die Harzer ­ – sie wurden von einem bekannten Jägersmann begrüßt, der auch in der Harzer Sagenwelt kein Unbekannter isst. Der Jäger Hackelberg hieß die Wimpelwanderer mit Kaffee und Kuchen willkommen und alle gemeinsam wurden mit Alphornklängen begrüßt. Was ein Alphorn denn im Solling verloren habe, diese despektierliche Frage konnte Alphornbläser Heinz Hugo Noack leicht und lachend beantworten: Da das Alphorn nur mit Naturtönen zu spielen sei, gehöre es einfach in die Natur-und Wanderregion des Sollings.

Von Fohlenplacken nach Höxter

Auf die achte Etappe ging es am Sonntag in Fohlenplacken bei Neuhaus, nachdem die Gastgeber im Hotel Waldschloss mit der Dankensurkunde der Wimpelgruppe ausgestattet waren. Höxter war das Ziel dieses Wegstücks, das mit vielen Besonderheiten aufwartete. Ein besonderer Gast war zunächst zu begrüßen. Wobei Gast im Grunde der falsche Begriff ist, denn Andreas Simon, Leiter des Bürgermeisteramtes der Stadt Bad Harzburg und vor einem Jahr maßgeblich mit verantwortlich für die Organisation des 114. Deutschen Wandertages in Bad Harzburg, hatte sich der Wimpelgruppe wieder einmal angeschlossen. Nach den ersten Etappen hatte er passen müssen, zuviel Arbeit auf dem Schreibtisch...

Das Wochenende und die schöne Etappe nach Corvey aber ließ er sich auch als Harzklub-Mitglied nicht entgehen. Nach dem Sollingverein hatten es jetzt die Weserwandersocken übernommen, die Wimpelwandergruppe zu begleiten. Und dies musste Klaus Wippermann als Schriftführer der Harzklub-Delegaton den Wandersocken von der Weser ersteinmal in deren Gästebuch quittieren.

Dann aber ging es forschen Schritts weiter dem Ziel in Paderborn entgegen. Und unterwegs schlossen sich mehr und mehr Wanderer der Gruppe mit dem Wandertagswimpel an. In einem richtig großen Tross erreichte das "olympische Feuer der Wanderbewegung" so schließlich das Alte Forsthaus Lüchtringen, wo die Gemeinde einen Empfang für die Harzer vorbereitet hatte, bevor diese Niedersachsens verließen – ausnahmsweise einmal nicht per pedes.

Das Technische Hilfswerk war aufmarschiert, um die Wandergruppe und vor allem den Wandertagswimpel über die Weser nach Westfalen zu expedieren. Die wichtigste Nachricht: Alles ging gut und alle (für ein "olympisches Feuer" auch in Fahnenform besonders wichtig) blieben trocken.

Nach der kurzen Fahrt über die Weser wurde die Wimpelwandergruppe dann vom Ausrichter des 115. Deutschen Wandertages begrüßt. Von jetzt an marschieren sie durch das Betreuungsgebiet des Eggegebirgsvereins auf Paderborn zu.

Zunächst einmal aber wartete wieder ein Glanzlicht der Reise auf die Gruppe: Das Kloster Corvey, Weltkulturerbe der Unesco, empfing die Harzer Wanderer, wobei auch der Reisesegen erneuert wurde. Von Corvey ging es dann am Sonntagabend auf dem Weserradweg weiter zum Hotel.

Von Höxter nach Brakel

Bestens geführt und begleitet wurde die Wimpelwandergruppe des Harzklubs auch auf der neunten Etappe von Höxter nach Brakel. Willi Glunz, Hauptachwart Wandern des Eggegebirgsvereins und weitere Mitglieder des Ausrichters des 115. Deutschen Wandertages waren an diesem Tag vom Start weg mit von der Partie – inklusive der Morgengymnastik, die zum schönen Ritual vor den ersten Schritten auf den Etappen des Tages geworden ist.

Auf dem Jakobsweg ging es dann weiter in Richtung Paderborn, wobei die Gruppe, die herrliche Blicke weit isn Land und auf Höxter genoss, unterwegs immer wieder wandernden Zuwachs erhielt. An der Jakobsweghütte war es dann schon eine sehr stattliche Mannschaft, die den Wandertagswimpel eskortierte.

Ein Zwischenstopp stand auf dem Heiligenberg an. In der Michaelskapelle empfingen die Wimpelwanderer einmal mehr einen Reisesegen für die letzten Etappen, die noch vor ihnen liegen. An Ovenhausen vorbei und noch lange Zeit den Heiligenberg im Blick ging es nach Hainhausen, wo die Pilgerpässe abgestempelt wurden.

Am Gut Hainhausen übernahm die Wandergruppe Riesel vom Eggegebirgsverein die Führung der Wimpelgruppe, geleitet von Wanderführer „Riesel-Rudi“. Kurz vor dem Etappenziel in Brakel stand noch ein Besuch in der Schneekapelle an, ehe die Etappe zu Ende ging und sich alle ausruhen konnten. Alle, bis auf Bernfried Saatze, der einmal mehr Harzer Brauchtum präsentieren musste. Im Haus des Gastes in Brakel erfreute er alle als Peitschenknaller.

Von Brakel nach Bad Driburg

Durch den Kurpark von Brakel ging die Wimpelwandergruppe auf die zehnte ihrer zwölf Etappen, die die Wanderer an diesem Tag bis nach Bad Driburg führen sollte. Weiter geführt von Riesel-Rudi wurde zunächst die Annenquelle und dann die Annenkapelle angesteuert. Dort, vor den Toren seiner Stadt, empfing Brakels Bürgermeister Hermann Temme die Harzklub-Mitglieder.

Wie bei fast allen Empfängen auf dem Weg ging auch dieses Treffen nicht ohne den Austausch von Gastgeschenken ab. Und so wechselten gute Tropfen aus den jeweiligen Regionen die Besitzer und ein schöner Schierker Feuerstein kann schon einmal vermitteln, wie der Harz so schmecken kann. Schmackhaftes und vor allem Nahrhaftes hatte auch ein weiterer Gast am Wegesrand im Gepäck: Waldemar Hensel vom Zweigverein Hildesheim stattete der Wimpelwandergruppe eine Stippvisite ab.

Mit dem Reisesegen von Vikar Steter machten sich die Harzer dann auf die weitere Strecke. Hinauf ging es auf die Emderhöhe. Hier stand zum einen der Abschied von Wanderführer Riesel-Rudi an, zum anderen aber hatte der Harzklub-„Begleittross“ mit Erika Runge und Gabi Leyrer schon dafür gesorgt, dass die Wanderer sich bei einer Mittagsrast ordentlich stärken konnten.

Nach Bad Driburg hinein gingen die Wimpelwanderer durch die fantastischen Gästen des Grafen von Oeynhausen. Wobei es sich der Graf nicht nehmen ließ, die Harzklub-Wandergruppe auch persönlich willkommen zu heißen. Im Brunnenhaus des Kurortes konnten die Wanderer dann das erfrischende Heilwasser genießen, ehe im Rathaus von Bad Driburg der nächste Empfang anstand – und Bernfried Saatze einmal mehr als Peitschenknaller ran musste.

Der Abend dieser zehnten Etappe klang im Eiscafe Artusa in fröhlicher Runde aus. Und die neuen Freunde werden die Mitglieder der Wimpelwandergruppe bald wiedersehen, denn das Team des Eiscafes ist auch beim Deutschen Wandertag in Paderborn aktiv.

Von Bad Driburg nach Bad Lippspringe

Die vorletzte Etappe, die Wimpelwanderung neigt sich ihrem Ende entgegen. Gemischte Gefühle dürften die Wanderer bewegen, weil eine schöne und erlebnisreiche Tour bald beendet sein wird, zum anderen aber die gespannte Erwartung auf den Empfang beim 115. Deutschen Wandertag in Paderborn.

Die Etappe von Bad Driburg nach Bad Lippspringe konnten die Wanderer wieder einmal gleich am Start weitgehend unter die Lupe nehmen: Dieter Runge enterte mit dem Wandertagswimpel den Kaiser-Karls-Turm bei Bad Driburg. Gemeinsam mit dem Wimpelträger genossen Erika Runge und Gabi Leyrer die Aussicht. Und auch Harzklub-Geschäftsführerin Annett Drache hat sich zu der Wimpelwandergruppe gesellt.

Deren Weg führt vorbei an der Ruine der St.-Petrus-Kirche zur Driburger Hütte, wo der Eggegebirgsverein zur Feier des Tages die Flagge hisste. Und auch bei der Bewirtung der Harzklub-Delegation sparten die Wanderfreunde aus dem Eggegebirge an nichts, bestens erholt und gestärkt konnte die zweite Hälfte der vorletzten Etappe angegangen werden.

Wenig später hatten die Wanderer mit dem in Paderborn schon sehnsüchtig erwarteten Wimpel die Grenze des Landkreises Paderborn erreicht. Nach einer Erfrischung an der Max-und-Moritz-Quelle ging es weiter in die Eisenbahnerstadt Altenbrak und unter dem bekannten Viadukt hindurch in Richtung Bad Lippspringe, das die Wandergruppe in der hügeligen Landschaft schon früh in der Ferne liegen sah.

Je näher die Wimpelwandergruppe aus dem Harz der Kurstadt kam, desto größer wurde die Eskorte, die den Wimpel auf seinem Weg zum größten Wanderfest der Welt wenigstens ein stückweit begleiten wollte. Am Stadtrand von Bad Lippspringe zog sich der Lindwurm der Wanderer ein weites Stück die Straßen entlang, bis alle zum Empfang der Gruppe den Marktplatz erreicht hatten. Mit von der Partie war hier auch ein Empfangskomitee aus der Harzer Heimat: Eine Gruppe des Harzklub-Zweigvereins Wernigerode hat bereits in Westfalen Quartier bezogen, damit der Harzklub und der Harz auch beim 115. Deutschen Wandertag wieder stark vertreten sind.

Die Harzklub-Wimpelwandergruppe

Die Wanderstiefel schnüren für den Harzklub in der Stamm-Wandergruppe:

Gabi Leyrer ist ebenso gern auf zwei Rädern radfahrend wie auf zwei Beinen wandernd unterwegs. Die Wimpelwandergruppe allerdings wird sie auf vier Rädern begleiten, denn sie ist für den Transport der Fracht zum jeweils nächsten Halt verantwortlich. Damit immer der richtige Ton getroffen wird, probt sie jede Woche im St.-Nicolai-Chor Westerode/Bettingerode und vielleicht gelingt es ihr auch, die Wandergruppe zum morgendlichen Frühsport zu bewegen.
Karl Leyrer ist Pfarrer im Ruhestand und es als solcher gewohnt, seine Schäfchen zu hüten. Eine Fähigkeit, die dem Hauptwanderwart des Harzklubs und Kopf der Wimpelwandergruppe auf dem Weg nach Paderborn nur zugutekommen kann. Wenn er nicht wandert oder Rad fährt, befasst er sich gern mit seinem ganz persönlichen „Kontrastprogramm“ und ist dann in der Zauberwelt des Disneyland Paris unterwegs.
Erika und Dieter Runge sind sozusagen „Wiederholungstäter“: Dieter Runge leitete nach dem Deutschen Wandertag 1996 in Wernigerode die Harzklub-Wandergruppe, die den Wimpel in die nächste Wanderhauptstadt Aschaffenburg transportierte. Und seine Erika war natürlich auch mit von der Partie. Bergsport, Bergsteigen, Wandern, Skilauf und Musik sind die gemeinsamen Hobbys des Dipl.-Ing. für Maschinenbau und der Finanzbuchhalterin aus Wernigerode.
Alfred Heineke war als Vorsitzender des Harzklub-Zweigvereins Bad Harzburg nicht allein Mitorganisator des Deutschen Wandertages 2014, sondern letztliche Gastgeber für zehntausende Wanderer aus ganz Deutschland. Das Wandern und die Harzklub-Arbeit sind seine großen Hobbys, ebenso wie Tennis und Fahrradfahren. Auf vielen Touren mit Schulen und Kindergärten bringt der Wanderführer dem Nachwuchs die Natur der Harzer Heimat nahe.
Otto Pake wird als Gärtnermeister auch auf dem Weg nach Paderborn die Flora am Wegesrand im Blick haben und hoffentlich auch wieder seine beliebten kleinen Geschichten darüber schreiben. Der Wanderführer und Naturschutzwart des Harzklubs Bad Harzburg und Wanderführer auch im Nationalpark Harz liebt es, unterwegs zu sein mit Faltboot und Zelt und zu Fuß mit Rucksack und Kamera.
Klaus Petersen ist ein „Pensionär mit wenig Zeit“. Warum dies so ist, erklärt sich beim Blick auf Ehrenämter und Hobbys des Polizeihauptkommissars a.D. Als stolzer Besitzer eines Forsthauses im schönen Wildemann hat er auf dem Grundstück viel zu tun, zudem ist er im Männergesangverein, im Sportverein und im Schwimmbadverein aktiv. Und er hat wie kaum ein Zweiter die Wander-Infrastruktur als Hauptwegewart des Harzklubs und als niedersächsischer Landeswegewart im Blick.
Bernfried Saatze ist seit 44 Jahren im Harzklub aktiv und macht sich als Hauptheimatgruppenwart vor allem um das Harzer Brauchtum verdient. Seit acht Jahren leitet Bernfried Saatze eine Peitschenknallergruppe, gibt diese Kunst in Lehrgängen weiter und stellt die Peitschen selbst herzustellen. Wenn ihm der Harzklub Zeit lässt, gelten seine Vorlieben dem Motorrad fahren und den Pferden. Selbst reitet er zwar nicht mehr, hilft seiner Tochter aber bei der Ausbildung der Tiere.
Adolf Gerdes gehört zu dem Team der Wanderführer des Harzklub-Zweigvereins Bad Harzburg, das während des 114. Deutschen Wandertages tausenden Wanderfreunden aus der gesamten Bundesrepublik die Schönheiten seiner Harzer Heimat nahe brachte. Adolf Gerdes hütet und präsentiert aber noch weitere und ganz besondere Schätze: Unter seiner Obhut steht die Remise am Rathaus in Bad Harzburg, das Heimatmuseum der Kurstadt.
Klaus Wippermann wandert in seinen Ruhestand, den der Revierförster vor vier Monaten antrat. Seine Hobbys zeigen, dass der Beruf für ihn Berufung war, er setzt sich für den Naturschutz ein, wandert und jagt gern, zur Entspannung hört er gern Musik. In der Wimpelwandergruppe möchte er die südniedersächsische und westfälische Landschaft erneut näher kennenzulernen und das „tolle Erlebnis“ Deutscher Wandertag noch einmal mittendrin zu genießen.
Wilhelm Diekmann durchstreifte schon in jungen Jahren auf ausgedehnten Rad- und Wandertouren seine Heimat, das Ruhrgebiet. Mit 18 Jahren trat er dem Sauerländischen Gebirgsverein bei und nachdem er vor zehn Jahren nach Bad Lauterberg zog ging er in den Harzklub. Er ist Wanderführer und Wanderwart der Zweigvereins und koordiniert für den Hauptverein die digitale Wegeverwaltung. Von seinem Hobby, der Fotografie, profitiert das Wimpelwander-Tagebuch nachhaltig.